Freitag, 11. Januar 2019

Ein lieber Mensch muss gehen

Sie hat jetzt zwei Jahre gegen den Krebs gekämpft.

Einmal war er komplett entfernt, so hieß es. Leider hatte das Biest am Magen, dass schon knapp einen Kilo wog, eine böse Schwester in der Leber. Im nachhinein sagte der MRT-Spezi das diese sogar schon vor der 1 OP sichtbar gewesen sei, aber Professor und MRT-Spezi haben sich innerhalb der Klinik nicht darüber unterhalten, dass kann der Konzern mit dem großen H nämlich nicht mit der Krankenkasse abrechnen.


Im November gab es eine neue Tablette, und ein neues Wort "irr-operabel" und so etwas wie mindestens fünf "Herden". Es gab "Astronautennahrung" als Pudding und Shake die Sie mal als Mahlzeit-Ersatz nehmen könne und vom Professor den Rat sich nicht unter kriegen zu lassen.


Am heiligen Abend war ihr Blutdruck kaum messbar, und sie beichtete uns das sie bereits seit 7 Tagen keine feste Nahrung mehr zu sich genommen hat, da Sie nichts behalten kann.

Seitdem sieht man Sie jeden Tag etwas mehr... verblassen wäre wohl das richtige Wort.



Am Samstag sagte Sie mir wie schrecklich es sei so hilflos zu sein, da alles so anstrengend ist, und auch wenn Sie jetzt geschoben wird und nicht mehr laufen muss, macht Sie damit ja so viele Umstände.

Am Sonntag erklärte Sie ihrer Tochter, dass Sie keine Angst hat. Weder jetzt, noch vor der Stunde die ihr bald schlägt.

Am Montag erklärte die palliativ Ärztin, dass es jetzt an der Zeit sei alle wichtigen Dinge zu klären die man auf Erden noch klären muss. Seit dem klebt ihr Ehemann Morphiumpflaster und Sie hat ein Pflegebett im Wohnzimmer bezogen.
Der erste Tag an dem meine bessere Hälfte mit mir gemeinsam weinen konnten, wir haben uns all die schlimmen Dinge gesagt die wir nicht mehr zusammen erleben werden, solange bis uns keine Luft mehr zum Atmen blieb aufgrund des Schmerzes. Vorher konnten wir immer sagen "das wird schon wieder", auch wenn wir selbst nicht daran glaubten.
Am Dienstag sagte Sie zu meiner besseren Hälfte, dass Sie gerne noch länger geblieben wäre um seine Kinder kennen zu lernen, die er mit mir haben wird.

Am Mittwoch erlaubte/riet der Professor dazu alle Krebsmedikamente abzusetzen, damit sie nicht mehr von ihnen geschwächt wird.

Am Donnerstag erhielt ich eine Geburtstagskarte die Sie unterschrieb mit "ich danke dir für alles".
-Geburtstag ist ausgefallen-

Heute: Seufze ich, da es bisher nichts neues gibt.



Jeden Morgen beginnt mein Tag erst, wenn mein lieber Schwiegervater sich meldet und sagt das alles gut ist.
Obwohl alle wissen, dass nichts Gut ist.

Wir warten auf den Tod und hoffen das er gnädig ist. 




Kommentare:

  1. Liebe Trümmerlotte, ich habe das erst am 15.10.2018 mit meinem Mann erlebt. Er ist an diesem Tag eingeschlafen. Er hatte auch Krebs und ich habe ihn zu Hause 5 Tage gepflegt. Ich fühle mit dir und sende dir Kraft für all das Bevorstehende. LG Yvonne

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  2. Liebe Yvonne,
    von herzen möchte ich dir mein Beileid ausdrücken.
    Ich hoffe das meine liebe Schwiegermutter bis zum Ende zu Hause bleiben kann.
    Vielen Dank für die lieben Worte!

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